Mit einem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist und einer anschließenden Feier im Pfarrheim hat die Notfallseelsorge im Landkreis Pfaffenhofen ihr zehnjähriges Bestehen begangen. 15 Frauen und Männer bilden das Team der Notfallseelsorge, und sie stehen bei unvorhergesehenen Katastrophen, plötzlichen Todesfällen oder schlimmen Unfällen den Angehörigen und Betroffenen zur Seite und leisten „erste Hilfe für die Seele“.
Den Wortgottesdienst leitete Angelika Maucher, die Seelsorgeamtsleiterin des Bistums Augsburg, und sie hielt auch die Festpredigt. Die musikalische Umrahmung übernahmen die Katholibris, und sehr anschaulich gaben die Mitglieder der Notfallseelsorge kurze Einblicke in verschiedene Einsätze, die sie in den letzten Jahren erlebt haben.
Zur anschließenden Feier im benachbarten Pfarrheim konnte Hans Schlatterer eine Reihe von Ehrengästen begrüßen, darunter auch Vertreter von Polizei und Feuerwehr, Katastrophenschutz und Kriseninterventionsdienst (KID). Schlatterer war bis vor kurzem Klinikseelsorger und Leiter der Notfallseelsorge (NFS), die er jetzt im ehrenamtlichen Team gemeinsam mit Gertraud Graf, Jutta Röder, Angelika Stolz und Edelgard Ulonska führt.
Musikalisch sehr schön umrahmt wurde die Feier von einem Ensemble der Neuapostolischen Kirche. Ein Dankeschön für ihren „besonderen Dienst und Einsatz rund um die Uhr“ richtete Bürgermeister Thomas Herker an die Notfallseelsorger. Im Namen des Landkreises dankte Landrat Albert Gürtner den Einsatzkräften, die den Betroffenen mit ihrem Dasein und ihrem Zuhören in Notsituationen wichtige Dienste leisten.
Da sie bei ihren Einsätzen immer im Hintergrund stehen, weder Blaulicht noch Sirenen haben, stellten die 15 Aktiven sich mit ihrer Ausrüstung und ihren vielfältigen Tätigkeiten sowie ihren wichtigsten Ansprüchen und Eigenschaften auf der Bühne vor.
„Hingehen – Dasein – Aushalten“: So lautet das Leitwort der Notfallseelsorger, und so überschrieb auch der Festredner des Abends seinen Vortrag. Der Diplom-Theologe Frank Kienle ist Polizeiseelsorger und Leiter des Notfallseelsorge-Systems Dillingen. Er betonte die Gemeinsamkeiten der Notfallseelsorge mit dem Kriseninterventionsdienst des BRK, und dass die Mitarbeiter beider Organisationen eng und problemlos zusammenarbeiten. Alle haben in etwa dieselbe Ausbildung, wobei die KID-Mitarbeiter zumeist mehr medizinisches Wissen, die Kollegen der NFS mehr seelsorgliche Erfahrung haben. In der Praxis sind sie oft als gemischte Teams unterwegs, und alle leisten „Da sein mit Herz“ für alle Betroffenen, völlig unabhängig von Religion, Herkunft usw.
In seinem lockeren und humorvollen Vortrag sprach Kienle über Erfahrungen aus seiner 25-jährigen Tätigkeit als Notfallseelsorger und gab seinen Kolleginnen und Kolleginnen auch wertvolle Tipps, denn ihre Einsätze sind auch für sie selbst oft schwer zu verkraften.
Kienle ging auch auf die Entstehung des Kriseninterventionsdienstes und der Notfallseelsorge in Bayern ein und erzählte von einem „Schlüsselereignis“ in München im Jahr 1989, als ein Kind unter eine Straßenbahn geraten war. Dem Studenten Andreas Müller-Cyran, der bei diesem schlimmen Unfall mit im Einsatz war, fiel auf, dass es Einsatz- und Hilfskräfte für alle Beteiligten gab - Polizei, Rettungssanitäter, Ärzte, Feuerwehr – nur um die Mutter des Kindes und den ebenfalls unter Schock stehenden Straßenbahnfahrer kümmerte sich niemand.